zurück zur Übersichtsseite über die Ausrüstung der Wehrmacht
Die Anfänge der modernen Tarnbekleidung findet man schon im 17. und 18. Jahrhundert, als die Uniformierung noch nicht einheitlich war, und Jäger die ihrem Beruf eigentümliche Kleidung trugen. Speziell im unformierten Kampf hatten sie einen Vorteil der auf dem Tarneffekt beruht.
Ende des 19. Jahrhunderts war die Entwicklung der Feuerwaffen bereits so fortgeschritten, dass die Taktik der Infanterie geändert werden mußte. Der Angriff und die Verteidigung in der geschlossenen Formation war nicht mehr effektiv, die Verluste zu hoh. Man löste daher die geschlossene Formation im Angriff auf. Deckung und Schutz als Überlebensfrage trat in den Vordergrund. Die farbenprächtigen Uniformen waren dabei nicht hilfreich, im Gegenteil. Dies war der Grund warum die meisten Armeen für die Kolonialtruppen, die häufiger in Kämpfe verwickelt waren zunächst Khakifarbenen Uniformen einführte.
Im ersten Weltkrieg hatten die Scharfschützen die Möglichkeit & Notwendigkeit sich zu tarnen. Die Uniformen waren noch nicht genormt, und die Kreativität bzw. die Gegebenheiten der Umwelt bestimmten die Art der Tarnung.
Im Laufe der Zeit verloren die Uniformen immer mehr an farbenpracht, und man schwenkte zu Erd und Naturtönen. Im Krieg von 1870/1871 waren in Europa kaum noch auffällige Uniformen im Einsatz. In Deutschland trug man Feldgrau, in Großbritannien Khaki, nur in Frankreich gab es noch blaue Uniformen.
Das erste mit System eingesetzte geometrische Tarnmuster wurde in Deutschland entwickelt, und wird Lozenge-Muster genannt. Man verwendete es zu Bespannung der Tragflächen von Doppeldeckern. Es handelte sich dabei um verschiedenfärbige Sechsecke, die sich dicht an dicht reihten.
In Italien gab es in den 1920er Jahren mit Mustern bedruckte Baumwollstoffe die als Zeltbahn, bzw. als Poncho verwendet werden konnten, und in ähnlicher Form bis 1990 benutzt wurden. Dieses Muster wurde auch von der Wehrmacht und der WaffenSS benutzt, und wird als Normandietarnung bezeichnet.
In Deutschland wurde die Waffen SS schon früh mit Tarnstoffen ausgestattet.
Das erste Tarnmuster wurde von Professor Schick entwickelt, die Ausrüstungsrichtlinie für Tarnbekleidung erarbeitete Sturmbannführer Wim Brandt.
Auf Basis dieser Arbeiten wurde die 1. SS-Standarte – „Deutschland“ mit Stahlhelmbezügen und der Schlupfjacke Modell 1 mit Tarnmuster ausgestatten.
Zunächst wurden die Stoffe sowohl für Heer und SS hergestellt, Spannungen zwischen den Bereich führten jedoch dazu, dass die Produktion aufgeteilt wurde. Die SS produzierte die Stoffe über die Fabrikanten des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes selbst. Erst 1943 versuchte man aufgrund Materialknappheit die Produktion wieder zu vereinfachen, und die Stoffe einheitlich für alle und somit auch kostengünstiger herzustellen. Interssant ist auch der Stoff selbst, denn man verwendete ein Kunstfaser – Baumwollgemisch, dessen Fäden sich bei Nässe ausdehnten, und so ein Eindringen von Wasser verhinderten.
Bekannte Muster sind
Sumpftarnmuster
Splittertarnmuster
Tropenstreifen
Eichenlaubtarnmuster
Platanentarnmuster
Palmentarnmuster
Erbsentarnmuster
Auch innerhalb der Muster gibt es Unterschiede, die einerseits aufgrund Produktionsungleichmäßigkeiten entstanden sind, andereseits durch Änderungen im Design verursacht wurden.
Die Produktionsstreuungen spiegeln sich in Farbfehlern (meist zu hell), und auch in falscher Druckrichtung des Stoffes. Auffällig ist der letztgenannte Fehler beim Tropentarnmuster, hier sollten die Streifen von oben nach unten verlaufen, es gab jedoch Produktionschargen, wo die Streifen quer verliefen.
Das Sumpftarnmuster ist ein gutes Beispiel für Designveränderungen. Ursprünglich gab es bereits zwei Muster für Luftwaffe und Heer.
Beim Splittertarnmuster der Luftwaffe waren die Flecken kleiner, als beim Heer, und hatte deutliche Kanten.
1943 führte man ein Sumpftarnmuster ein dessen Braunanteil höher war, dessen Trennlinien deutlich erkennbar waren, jedoch einen Farbübergang in die Nachbarfarbe hatten.
Ab 1945 gab es auch vermehrt Nachtsichtgeräte, die es notwendig machten auch im Dunkeln möglichst gut getarnt zu sein. Um den Anteil des Restlichtes zu minimieren, das von der Bekleidung reflektiert wurde entwickelte man ds Splittermuster 31.
Das Bekleidungsmuster mit hohem Rotanteil (Lieber-Muster) kam über das Stadium des Versuchs nicht hinaus, und kam nicht mehr zum Einsatz.
Quelle: Andrew Steven und Daniel Peterson (Waffen-SS Uniformen in Farbe und Tarnuniformen der Wehrmacht)
Panzerfabrik: "Die Nibelungenwerke"
Panzerfabrik: „Demag Fahrzeugwerke Falkensee GmbH“
[1] Die 44. Infanterie- Division 1938-1945. Reichs-Grenadier-Division Hoch und
Deutschmeister
[2] Die Wehrmacht von Guido Knopp
[3] Filmtipp: Die Geschichte der deutschen Wehrmacht (2 DVDs)
[4] Wehrmacht und Prostitution im besetzten Frankreich
Lesen Sie mehr über die 44. Infanteriedivision im Kriegstagebuch der 44. Infanteriedivision
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