zurück zur Übersichtsseite über die Ausrüstung der Wehrmacht
Ab dem 19.9 1939 wurden in St. Valentin bei Linz in Oberösterreich eine Panzerfabrik errichtet. Man plante 150 – 200 Panzerkampfwagen I zu fertigen. Zur Tarnung benutzte man den Firmennamen „OKH Spielwarenfabrik“. Die Inbetriebnahme dürfte im Februar od. März 1941 gewesen sein. Die Halle IV war im Februar fertig, die Halle V im März [siehe Quelle 2]. Laut [Quelle 1 siehe unten] wurden zunächst Ersatzteile für Panzer erzeugt – im März 1941: für Panzer II 12,4 t Ersatzteile , für Panzer III 28,6 t Ersatzteile.
Es gab 9 Hallen, davon 7 Hallen mit 60 x 120 m = 50.400 m², und 2 Hallen mit 120 x 120 m = 28.800 m². Die Gesamthallefläche betrug 79.200 m², zum Vergleich, im Werk „Demag Fahrzeugwerke Falkensee GmbH“ standen 150.000 m² an Fläche zur Verfügung, es wurden aber mit Inbetriebnahme kaum Panzer produziert, das Werk kam erst mit der Produktion des Sturmgeschützes III in Gang. Neben den erwähnten Hallen gab es auch noch Objekte im sogenannten Herzoggrader Wald, die aus Tangründen zwischen den Bäumen versteckt gebaut worden waren.
Die Panzerteile für die Nibelungenwerke wurden in den „Eisenwerken Oberdonau“ gefertigt, die Montage erfolgt ein den Nibelungenwerken. Eigentümer der Nibelungenwerke (Anlagen) war die Firma Montan. Der Montagebetrieb wurde durch eine Tochterfirma der Steyr-Daimler-Puch AG durchgeführt. Die Steyr Daimler Puch AG war damals Teil der „Reichswerke Hermann Göring“. Das Werk wurde rasch zum zweitwichtigsten Standort für die Panzerproduktion im 3. Reich, der wichtigste Produzent war die Firma Krupp. Die fertig montierten Panzer wurden zum Truppenübungsplatz Döllersheim (Allentsteig) gebracht, und dort in Betrieb genommen (eingeschossen) –danach erfolgte die Auslieferung. Das Werk hatte eine große Produktionsbreite, neben den kleinen Panzern wurden auch die schweren Typen "Jagdtiger" und "Elefant" produziert. Der Betrieb des Werkes konnte gut aufrecht erhalten werden, denn noch im Mai 1945 wurden 6 „Jagdtiger“ an die 1. SS Panzerdivision „Leibstandarte SS Adolf Hitler" geliefert. Aufgrund der Bombardierugnen mußte man aber Teile des Panzerwerkes in unterirdische Stollen verlegen. Die Stollen befanden sich in Ebensee, Zipf und in Furth bei Göttwig, die Stollen hatten die Decknamen: "Zement" ,"Schlier" , "Reseda" und "Rosmarin.
Folgende Fahrzeuge wurden hier produziert:
-) PzKpfW III - Ersatzteile
-) PzKpfW IV - Montage (44% aller Panzer IV kamen aus diesem Werk)
-) PzKpfW IV/70 - Montage
-) Sturmpanzer IV - Montage
-) SdKfz 184 "Elefant" - Montage
-) PzKpfW VI "Jagdtiger"
Die Investition für die Nibelungenwerke waren mit 65 Millionen Reichsmark veranschlagt. Ausschlaggebend für die Standortwahl war unter anderem die Nähe zu Linz, bzw. die gute Bahnverbindung zwischen Linz und St. Valentin.
Kurz nach seiner Eröffnung bekam das Nibelungenwerk 1942/1943 auch prominenten Besuch: Adolf Hitler, Hermann Göring, Gauleiter Dr. Jury, Gauleiter Eigruber und Ferdinand Porsche besichtigten das Nibelungenwerk (kurz Ni-Werk genannt.
In St. Valentin wurden von 8200 Panzer IV 4350 Stück produziert.
Das Werk wurde in einem großen Waldstück errichtet, das den Eigentümern abgekauft wurde. Zu Kriegende waren etwa 10.000 Personen aus 14 Nationen im Nibelungenwerk beschäftigt. Darunter auch sehr viele Kriegsgefangene, die unter schwersten Umständen arbeiten mussten. Da sich die Todesfälle häuften beschwerte sich der zuständige Arzt - woraufhin die Totenbeschau durch einen Arzt aufgehoben wurde, und das Werk die Todesursache eintrug.
Hier wurden die Begriffe »Herzschwäche«, »Lungenentzündung«, »Hitzschlag« oder »Erschöpfung« verwendet.
Die offizielle Eröffnung des Konzentrationslagers Nibelungenwerk (in Herzoggrad/St.Valentin) erfolgte am 21.8.1944 - organisatorisch handelte es sich um ein Nebenlager des KZ Mauthausen.
Man hatte 10 Baracken für bis zu 1480 Häftlinge errichtet, ca. 300 Meter vom Verwaltungsgebäude entfernt. Der Einsatz von Häftlingen war notwendig geworden, weil die Arbeiter an die Front abkommandiert worden waren. Insgesamt wurden 15.000 Häftlinge in der Nebenstelle Herzoggrad registriert.
Als amerikanische Aufklärungsflugzeuge das Nibelungenwerk entdeckt hatten, wurde es bombardiert. Man verlegte die Produktion in unterirdische Anlagen nach Ebensee, Gusen und Melk verlegt. Auch die KZ - Häftlinge wurde zu den neuen Produktionsstätten gebracht. Zu Kriegsende befanden sich nur noch wenige Gefangene im Konzentrationslager des Nibelungenwerkes.
[Quelle 1] "Rüstung in Österreich 38 - 45", Autor Schausberger, 1970 Seite 76, Fußnote 85 dazu: Bis Ende März 1941 wurde folgender Ausstoß erreicht: Ersatzteile für Panzer II - 12,4 t, für Panzer III - 28,6 t.
[Quelle 2] "Kraftfahrzeuge und Panzer des österreichischen Heeres 1896 bis heute", Autor Spielberger, 1976
[Quelle 3] Luftbild vom Werk - K.H.Rauscher "Steyr im Nationalsozialismus - industrielle Strukturen" ISBN 3-7059-0179-6, Seite 153
Ausweis von den Nibelungenwerken online: http://www.usmbooks.com/Nibelungenwerke_ID.html
Quellen & Literaturtipps:
[1] Die 44. Infanterie- Division 1938-1945. Reichs-Grenadier-Division Hoch und
Deutschmeister
[2] Die Wehrmacht von Guido Knopp
[3] Filmtipp: Die Geschichte der deutschen Wehrmacht (2 DVDs)
[4] Wehrmacht und Prostitution im besetzten Frankreich
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